Freitag, Dezember 15, 2017

Landau-Speyer und zurück - mein erster Formationsflug

Es war der beste Thermiktag der ersten Woche unseres Fluglagers in Landau und eigentlich sollte es nur ein ca. 1-stündiger Flug werden. Die Basis lag Anfangs bei gut 1000 m, was über dem Landauer Raum mit seiner Geländehöhe von unter 200 m eine passable Menge Spielraum und damit auch einem wenig erfahrenen Segelflieger wie mir genügend Sicherheit gab, abzufliegen.

So ging es eine Weile am Rand des Pfälzer Waldes nach Norden und dann auch ein kleines Stück hinein. Es blieb aber bei einem kürzeren Abstecher, denn da es dort nur Wald und Weinberge und keinerlei Außenlandemöglichkeiten gibt, war eine Umkehr schnell beschlossene Sache.

Nach einer knappen Stunde war ich wieder über Landau und kreiste fast schon ein wenig demotiviert im Blauen, fand dort aber per Zufall ein Steigen von 2 - 4 m/s. Mein Funkspruch zum Boden, ob der nächste schon auf "meinen" Discus 2b wartet, wurde negativ beantwortet, so konnte ich, inzwischen wieder mir reichlich Höhe ausgestattet, ein zweites Mal abfliegen. Diesmal ging es Richtung Rhein nach Nordost, wo es auf jeden Fall mal jede Menge Felder gab...

Im nächsten Bart in der Nähe eines großen Golfplatzes erwischte mich dann ein Funkspruch so nach dem Motto: "Wer da und wohin ?" Ich entdeckte unter mir unsere LS4 und ein Gmünder Fliegerkamerad fragte an, ob wir zusammen weiterfliegen sollen. Ich hatte zwar nicht mal etwas Trinkbares dabei, aber eine solche Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen: Mit einem "alten" Streckenflughasen, der dazu derzeit auch noch um einiges tiefer folg als ich - was sollte da schief gehen ? So ging es in Formation zum Rhein und zur nächsten großen Wolke rüber, die für mich zwar irgendwie nicht so gut aussah - aber da war ich (wie so oft) zu misstrauisch. Sie zog stabil und großflächig mit 2-3 m/s - keine Probleme und eine Super-Aussicht auf Germersheim und die grüne Insel mit dem großen Ersatzteilzentrum einer nicht näher erwähnten großen Automobilfirma.    

Mein Fliegerkamerad hielt sich auch hier nicht lange auf und machte sich auch nicht die Mühe, zu mir rauf zu kommen. Schon ging es nach Norden weiter - vorbei am Atomkraftwerk Philippsburg, dass wir, genügend Abstand zum Sperrgebiet ED-R 40 einhaltend, rechts liegen ließen. Im Nu war Speyer erreicht - ein Traumziel für einen Flugzeugnarren wie mich: freier Blick auch die An-22 Antäus und andere legendäre Maschinen. "Leider" war hier keine Aufenthalt geplant und wegen fehlender Wolken auch nicht möglich. Die nächste Thermik gab es über dem Autobahnkreuz A61/B9 - wir stiegen zusammen mit einer ASK-13 - mein Teamkollege immer noch weit unter mir, was ihn aber offenbar überhaupt nicht störte. Eine großer Erfahrungsschatz ersetzt offensichtlich ein ordentliches Höhenpolster. Und das war für mich immer noch ausreichend dimensioniert - zum inzwischen 30 km entfernten Landauer Flugplatz zeigte mein LX immer noch ein Guthaben von einigen Metern an.

Und dann kam er - mein erster Formationsflug-Fauxpas: Per Funk erreichte mich die Frage, ob wir jetzt weiter Richtung Odenwald fliegen sollen. Ich blickte gerade nach Westen in Richtung Lachen-Speyerdorf und dachte, den dort liegenden Wald wird er ja wohl meinen... . Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, wo der Odenwald liegt, da ich meist anhand von Städten, Autobahnen und Flüssen (und natürlich mit GPS) navigiere. Also flog ich Richtung Westen und mein Kamerad nach Nord-Ost - und zwei Segelflieger wunderten sich, warum sie plötzlich allein waren ! Nachdem mein Irrtum per Funk aufgeklärt war, fanden wir uns unter dem selben Bart über dem Autobahnkreuz wieder zusammen und gemeinsam ging es zurück. Diesmal mit nahezu gleicher Ausgangshöhe, denn ich hatte die "Wartezeit" genutzt, um noch mal einen kurzen "Ausflug" nach Speyer zu unternehmen. Ich drehte über dem Technikmuseum ein paar Sightseeing-Runden in leichtem Saufen - und schon war mein dickes Höhenpolster dahin - zum Glück stand der Cumulus über dem Autobahnkreuz stabil wie eine Eins - so schnell wird man übermütig!

Unser Rückflug verlief dann eher unspektakulär, nur ein Bild wird mir im Gedächtnis bleiben: Nebeneinander fliegend hatte mein Teamkamerad die Sonnenseite der nächsten Wolke angepeilt und erwischte den Bart perfekt - was für ein Anblick, seine LS4 so steil hochziehen zu sehen !
Nach 2h 20 min stand ich schließlich, mit mir und der Welt zufrieden, um einige Erfahrung und vor allem eine Menge Flugspaß reicher, wieder auf dem Landauer Flugfeld. Ein Dankeschön geht an meinen Vereinskameraden für seine geduldige Begleitung auf meinem ersten Formationsflug.

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